
Heute vor 71 Jahren wurde nicht nur Straubing bombardiert , sondern auch unser kleines Dorf Oberharthausen. Es wurden von den Amerikanern 74 Bomben abgeworfen, wobei 3 Menschen vom Dorf dabei starben und 2 schwer verletzt wurden. Die amerikanischen Bomber kamen aus Italien und wollten eigentlich den Ölhafen von Regensburg bombardieren. Wolken und schlechtes Wetter ließen die auf Sicht fliegenden Piloten den Initialpunkt zum Abwerfen falsch erkennen. Wie aus verschiedenen mission reports von den US-Piloten nachzulesen ist, wussten die Navigatoren nicht mehr genau wo sie waren und warfen vor dem Ziel ihre Bomben einfach ab. An diesem Tag waren 653 Bomber (230 B17 und 423 B24) auf den Weg nach Regensburg, aber 12 B17 und 87 B24 Bomber erreichten das Ziel nicht. So wurde an dem Tag durch den Irrtum der Navigatororen auch Straubing stark bombardiert, und 44 Menschen fanden den Tod.
Bei den letzten Recherchen konnte wir von der 461th.org eine Karte vom 5.2.1945 finden, auf der die Flug-Route von Italien kommend über Straubing nach Regensburg eingezeichnet ist. Es wurde sich aber durch die vielen Flugzeuge nicht strikt an die Route gehalten und ein Bogen um den Initialpunkt gemacht. Somit wurde auch das Ziel (die Öllager) um 10 Meilen verfehlt, weil der “Narr” dachte, wir wären schon am Ziel (mission 25 und 26): „on the bomb run I counted 150 four engine bombers flying ahead of us. This is quite a few planes on a bomb run. To avoid the other ships our lead pilot went wide around the initial point. The Pathfinder Navigator mixed up this point and picked up the briefed initial point on his scope for the second time. The jerk thought it was the target so we hit 10 miles short of the storage ground. This was a milk run!
Ein anderer Pilot der mission 168 sagte nach der Landung, sie haben Straubing mit Regensburg verwechselt und somit Straubing bombardiert , weil sie 20 Meilen östlich vom Kurs waren, es war einfach wie Milch holen: Back on the ground , it was figured out by the navigators´ logs, that the formation had been approximately 20 miles East of course, had mistaken a town south of the Danube as the initial point, and actually bombed the briefed initial point Straubing. Instead of Regensburg which lay straight ahead on course.
Vor einer Woche schrieb mir Mr. Hughes Glantzberg, dass es an dem Tag ein großes Durcheinander über unserem Luftraum gab und es schwer ist nachzuvollziehen, welcher Bomber genau unser Dorf getroffen hat. Es kann ein Flugzeug der 461th, 484th oder der 464th Bomber Geschwader gewesen sein., es gibt zu viele Möglichkeiten… : In my opinion, it sounds like the mission of 5 February 1945 was such a mess that it would be very difficult to tell for sure which plane hit your town. About all we can say for sure is that at least one plane did hit your town on that day. Whether the plane belonged to the 461st, 484th or the 464th, we may never know. There definitely seem to be several possibilities.
Diese Geschehnisse von dem heutigen Unglückstag können jetzt nach 71 Jahren wahrscheinlich nicht mehr genauer nachvollzogen werden. Die Dokumente in den Webseiten der amerikanischen 15th Air Force wurden mit Hilfe des sehr entgegenkommenden Präsidenten Hughes Glantzbergh gesichtet und ausgewertet. Der Historiker Herr Helmut Erwert (er hatte zum 65. Jahrestag der Bombardierung bei uns im Gemeinschaftshaus einen hevorragenden Vortrag gehalten) hatte auch seinerzeit in den Staaten die Nationalen Archive gewälzt und wichtige Erkenntnisse aus dieser Zeit in seinen Büchern „Feuersturm, Zigarettenwährung und Demokratie“ und „Für die Götter wie Fliegen“ zusammengefasst. Auch diese Kenntnisse des Herrn Erwert brachten viel Licht ins Dunkel von diesem Tag. Nicht zuletzt auch der Bericht des Herrn Pfarrers Josef Schmaißer in der Dorfchronik mit der Befragung der Zeitzeugen und dem Aufzeigen des Ablaufes und der Geschehnisse diese Tages im Ort.
Großen Dank möchte ich persönlich an Robert Schrock aussprechen, der mit seinem Fachwissen von Google Earth, der Besorgung der Luftbilder von den Amerikanern, seinen tiefgründigen Recherchen und seiner Moderation des Gedenkabends vor sechs Jahren sehr viel zur Aufklärung dieses Tages beigetragen hat.
Was haben wir aus den ganzen Recherchen der letzten Jahre erfahren:
- Wir wissen woher die amerikanischen Bomber kamen (Italien, Torreto)
- Wir wissen welches Ziel die Bomber hatten (Ölhafen Regensburg)
- Wir wissen daß an diesem 5.2.1945 aus Italien nach Regensburg 653 Bomber unterwegs waren (230 B17 und 423 B24)
- Wir wissen, welche Bombergeschwader der Amerikaner unterwegs waren (the 460th , 461st, 464th , 465th 484th and 485th)
- Wir wissen, dass ca 90 Flugzeuge das Ziel Regensburg nicht erreicht haben
- Wir wissen wie die Bomber zum Ziel navigiert wurden (Pathfindermethode mit Initial Punkt zum Auslösen der Bomben)
- Wir wissen, wie minutiös und genau die Routen und Flugstrecken der Bomberflüge aus Italien geplant wurden (sieh Pop sheet, maps)
- Wir wissen von den Schwierigkeiten der Piloten und Navigatoren (schlechte Sicht, Verwechslung von topografischen Punkten am Boden, Angst vor Flakbeschuss, Probleme mit neuen Flugzeugen, Probleme den Verbund mit anderen Bombern zusammen zu halten, Verlieren des Anschlusses, Falsches Erkennen des Initialpunktes, Schüttentleerung der Bomben bei Orientierungslosigkeit, Anfliegen von Ausweichszielen falls das Primäre nicht erreicht wurde..)
- Wir wissen, dass an diesem Tag nach uns auch noch Schönach , Regensburg und dann auch noch Straubing (44 Tote) bombardiert wurde.
- Wir wissen aus den Mission Reports (25,26,168) der Piloten nach der Landung, das Oberharthausen und Straubing eigentlich aus Versehen bombardiert wurden, weil die Navigatoren unaufmerksam oder falsche Initial Punkte erkannt haben, und danach die Bomben über ungeplante Ziele abgeworfen wurden.
- Wir wissen von den Geschehnissen und Opfern im Dorf
Es ist doch eine ganze Menge, was zu diesem schrecklichen Tag zusammengetragen werden konnte. Ob jetzt die todbringende Fracht von diesem oder jenem Bombergeschwader kam ist egal und ist auch nicht mehr zu erforschen.
Den unschuldigen Opfern zur Ehre wurden diese Recherchen gemacht. Es soll aber auch ein Beitrag zu unserer Heimatgeschichte des Dorfes sein, die untrennbar mit diesem Tag verbunden ist. Spätere Generationen sollen nachlesen können, welches Unglück sich an diesem Tag in Oberharthausen zugetragen hat.
Es sind ein einziges Mal Bomben auf uns hernieder gefallen, und es gab schon drei Tote... und man bedenke, es würde tagelang, wochenlang, jahrelang bombardiert werden?... wären wir dann auch Flüchtlinge geworden, hätten die Heimat verlassen müssen wie die ausgebombten Syrer heutzutage, stünden an den Grenzen und würden um Asyl bitten, nur um das nackte Leben zu retten...? Gottseidank ist unseren Eltern damals dieses Schicksal nicht zugeteilt geworden, und es zog nach diesem Tag wieder Normalität ein... die Syrer haben dieses Glück nicht...
Möge nie mehr so ein Tag kommen, aber möge der Tag auch nie vergessen werden…

Karte für den Bomberflug; aus Italien (unten) kommend
bis zum Initialpunkt Straubing mit Ziel Regensburg

Planung des Fluges mit Koordinaten- und Zeitangaben

Bild vom Bombenabwurf über der Wolkendecke von der 461th Bombergruppe,
bei ihrem Flug nach Regensburg

Angaben des Piloten von nach Landung (mission 168) vom 5.2.1945

Angaben des Piloten von nach Landung (mission 25 und 26) vom 5.2.1945

Angaben des Piloten von nach Landung (mission 148) vom 5.2.1945

Eintrag eines Fliegers in sein Tagebuch
Links zum Thema:
http://www.484th.org/Torretta%20Flyer/Torretta%20Flyer.htm


















