Herr Johann Schießl ruhe in Frieden!


Trauerrede von FFW- Vorstand Aigner Uli
Herr Pfarrer Daschner 03.01.2018
Herr BGR Schmaißer
Trauernde Familie Schiesl
Sehr verehrte Trauergäste
Herr Johann Schiesl ist 1952 bei der FFW Oberharthausen eingetreten.
Hans war somit 65 Jahre bei der FFW.
Er war anfangs ein aktives, später als passives Mitglied bei der FFW
Für die gute Kameradschaft und langjährige Vereinstreue,
möchte wir dir Hans auf das herzlichste danken.
Als äußeres Zeichen lege ich dir im Namen der FFW Oberharthausen ,
am offenen Grab dieses Kranzgebinde nieder
Kamerad ruhe in Frieden
(Eigenbericht)
Der Herr hat´s gegeben, der Herr hat´s genommen, gepriesen sei der Herr! So sagt es Hiob in der Bibel (Hiob 1, 20-21). So geschehen auch mit Johann Schiesl, der dieser Tage seine Reise ins ewige Reich angetreten hat.
Zwischen dem 12. Mai 1936, dem Tag seiner Geburt, und dem 30. 12.2017, dem Tag seines Todes, aber liegen 81 erfüllte und glückliche Jahre mit seiner Familie. Hans Schiesl war für jedes einzelne Jahr dankbar, weil es auch ganz anders verlaufen hätte können.
In jungen Jahren wurde Hans schon schwer geprüft. Das Schicksal wollte es, dass er als Bub direkt in die Bombardierung vom 5.2.1945 in Oberharthausen verwickelt wurde.
Pfarrer Josef Schmaißer schreibt in der Dorfchronik:
„Das Anwesen des Johann Schiesl, neben der Auffahrt zum Gürsterhof, wurde schwer getroffen. Ein Volltreffer schlug in den Stall und tötete das Vieh. Einer Kuh wurde der Kopf abgerissen. Er flog, noch angekettet an einem Stück des Futterbarrens, in die nebenanliegende Küche. Die Zwischenwand zum Haus wurde eingerissen. Der kleine Sohn Hans schwänzte an diesem Tag die Schule. Er lief in jenen Minuten zum Schutz ins Haus. Als der Stall und das angebaute Wohnhaus einstürzten, wurde er durch einen Balken an den Wassergrand gedrückt und erlitt eine Schädelfraktur an der Stirnseite, die heute noch sichtbar ist. Johann Schütz grub den verschütteten Hans aus dem Schutt aus und Wacker Heinrich und Aigner Josef fuhren ihn im Eiltempo mit seinem Pferdegespann ins Krankenhaus nach Straubing“.
Durch die schnelle Hilfe, durch seinen eisernen Willen und durch Gottes Fügung konnte der Hans dieses furchtbare Unglück überleben. Der Herrgott wollte eben nicht einen Buben mit 9 Jahren zu sich holen, und gab ihm so ein zweites langes Leben, das er fleißig und rechtschaffen zu nutzen wusste. Er führte den Hof und ging nebenher noch in die Arbeit nach Sünching in die Stärkefabrik oder arbeitete auch als Schweinehändler.
Als äußeres Zeichen dieses Unglückstages blieb eine Narbe am Auge und eine Beeinträchtigung am Sehnerv zurück. Dies erinnerte ihn jeden Tag beim Blick in den Spiegel an dieses furchtbare Ereignis. Er erwähnte es öfters, wie dankbar er deshalb den Oberharthausnern ist, daß sie ihn damals aus dem zusammengefallenen Haus ausgegraben haben.
Seine Dankbarkeit veranlasste ihn vor Jahren auch zu helfen. In einem Akt wahrer Nächstenliebe fuhr er den bereits schwer erkrankten Gerd Braun fast täglich im Rollstuhl durch und um das Dorf. Hans nahm sich fürsorglich seiner an, und gab ihm somit noch schöne Stunden im Kreis der Dorfgemeinschaft. Diese Hilfe von ihm wird ihm nicht nur von der Familie Braun, sondern auch von den Dorfleuten hoch angerechnet. Auch der Herrgott wird sich darüber sehr gefreut haben.
Ein negatives Ereignis als Landwirt erlebte er im Winter 1966. Zu Weihnachten wollten die Schweine vom Schiesl Hans einfach nimmer fressen. Der Tierarzt wurde geholt und es stellte sich schon bald die Gewissheit heraus, dass die Schweine die Maul- und Klauenseuche haben. Ja was war dass für eine Aufregung im Dorf. Man hatte Angst, daß andere Höfe auch von dieser Krankheit angesteckt werden würden. Das Veterinäramt in Straubing versiegelte den Hof von Hans Schießl. Es wurde ein Band um den Hof gespannt und es durfte von der Familie niemand den gesperrten Bezirk verlassen. Die kranken Schweine, aber auch alle Ferkel wurden unter Einhaltung aller Sicherheitsvorschriften abgeholt. Die Kühe waren nicht angesteckt, aber es durfte auch keine Milch geliefert werden. So rührte der Hans Schiesl täglich an die 40 Liter Milch zu Butter aus. Und da der Hans ein leidenschaftlicher Raucher ist, hatte er jetzt auch damit ein Problem, weil er ja den Hof nicht verlassen durfte. Ich erinnere mich noch, dass es zu Hause untersagt worden ist, dem Hans wegen Ansteckungsgefahr die Hand zu geben oder sich ihm zu nähern. Aber er schickte einfach das Nachbarkind, nämlich mich, zur Wacker Soph zum Zigarettenautomaten, und das war brav und holte sie auch. Da der Hans gerade dabei war den Hof von Kühe auf Schweine umzustellen, hatte er nicht soviel Platz für alle schon angehäuften Schweine. Deshalb hatte er im Dorf angefragt, und beim Schütz in Oberharthausen dann Schweine untergestellt. Das hatte zur Folge, dass auch dessen Hof gesperrt wurde. Es waren zwar auf diesem Hof keine Maul- und Klauenseuche kranken Schweine, aber raus durften sie trotzdem 4 Wochen nicht. Nachdem vom Schießl Hof alle Schweine abtransportiert worden waren, mussten die ganzen Stallungen desinfiziert werden. Den Schaden für die Tiere hat die Tierseuchenkasse bezahlt. Nach 4 Wochen war der Spuk vorbei, und alle im Dorf atmeten wieder auf. Der erste Gang vom Hans war zur Wacker Soph zum Zigarettenautomaten…
Was Hans Schiesl aber auch mit ganzer Leidenschaft betrieb, das war seine Schafhaltung. Er hatte die Geduld und Ausdauer, seine Schafe über Jahre hin zu pflegen, beim Weiden zu begleiten und zu beaufsichtigen. Wie man auf einen der folgenden Bilder sehen kann, hat ihn der Vater, Johann Schiesl senior, schon als Bub zum Schafhandeln mitgenommen. Er reitet als Bub schon auf einem Schaf. Geritten hat er sie später nicht mehr, aber gegessen. Er sagt, es geht nix über ein gutes Schaffleisch.

Hans Schiesl war auch ein leidenschaftlicher Kartenspieler. Ob Schafkopfen oder Watten, er konnte alles. Ob früher in der „Hall“ oder auch beim Zirngiebl in Pilling, Hans hat büerall gerne gespielt. Im Watterturnier in Oberharthausen nahm er noch jährlich mit großem Eifer und Spaß teil.

Eine Geschichte möchte ich noch erzählen. Einmal haben wir den Hans mit nach Pfarrkirchen in die Rennbahn mitgenommen. Es war das Zuchtrennen an Pfingsten. Der Hans wollte auch wetten, kannte aber die Traber nicht so genau. Wir haben ihm dann zu einer Wette geraten, mit der er vielleicht eine Chance hätte. Er hat sie abgegeben und hat tatsächlich schön gewonnen. Nach Hause fuhren wir noch am Tunzenberger Keller vorbei, weil da Volksfest war. Wir wollten rein, und das ganze Zelt war brechend voll, weil nämlich Marianne und Michael auftraten. Es war nur ein einziger Tisch in der Mitte frei, der war aber reserviert. Wir fragten die Bedienung, die schon stocksauer war, weil sie immer Leute abweisen musste, weil die Reservierer einfach nicht kamen. Sie ließ uns dann hinsetzen. Die Leute von den Tischen rundum starrten uns an, wer wir denn wohl seinen, weil der Tisch schon so lange frei war. Sie meinten, wir hätten den Tisch reserviert. Der Hans war großzügig und hat uns eingeladen, weil er eine so schöne Wette getroffen hatte und ließ gleich Gickerl und Bier bringen. Nun kamen immer wieder Leute an den Tisch und fragten, wer wir denn seinen, sie meinten wir seinen Prominente. Und dann kam der Hans, der erzählte ihnen das Blaue vom Himmel runter. Wir haben einen Hof mit 400 Tagwerk und 1000 Schweinen. Wir kommen von der Oberpfalz und wollten zu dem Volksfest, und haben uns etwas verspätet. Der Hans Schiesl hat es so ernst und sicher erzählt, dass die das geglaubt haben, und wir hätten es bald selber geglaubt. Er hat aufgetrumpft, und sie wollten ihn dann auf seinem Hof besuchen. Da war der Hans in seinem Element, das hat ihm sehr gefallen. Das war für uns alle ein lustiger Abend, den ich nie vergessen werde.
In seiner Jugendzeit war er auch ein vortrefflicher Fußballspieler, der als einer der Ersten vom Dorf, auswärts in Alburg und dann in Rain spielte.

Eine weitere Leidenschaft war das Eisstockschießen. 1983 brachten es die Oberharthausener fertig, dass sie bei der Geiselhöringer Stadtmeisterschaft den 1. und 2. Platz belegen konnten. Er war ja ein sicherer Schütze, aber nicht immer gelingt halt jeder Schuß. Beim Hans wußte man genau wenn er verfehlte, weil er dann sofort nach dem Schuß sein berühmtes, langgezogenes „Ouu“ sagte.

Ein ganz wichtiger Eckpfeiler für ihn war der tägliche Stammtisch. Beim Manfred Zellmer neben der Kartoffelhalle halten die Männer vom Dorf im Sommer ihr Treffen ab. Der Hans war schon immer frühzeitig da. Dann kamen der Zellmer Sepp, der Danner Sepp, der Büchner Sepp, der Weiß Hans und je nach Tag und Laune noch verschieden andere. Hier wurde politisiert, von Fußball erzählt oder sonstige Neuigkeiten ausgetauscht. Beim Stammtisch schlägt das Herz von Oberharthausen. Nun ist es einer, bzw. zwei weniger, weil vor ihm der Hans Weiß auch verstorben ist.

Als seine Kräfte zu schwinden begannen, wurde der Hans von seinen Lieben mit dem Rollstuhl um das Dorf gefahren. Das war für ihn noch sehr wichtig, es interessierte ihn alles was passierte bis zum Schluß.
Jetzt sieht man den Hans nicht mehr mit dem Rad die Dorfstraße rauffahren, mit seinem Strohhut und der Zigarette. Überall konnte man ihn treffen. Früher ist er mit dem Rad zu seinen eingepferchten Schafen in den Altbach runter gefahren. Man sah ihn auch mit dem Fendt Geräteträger gemächlich Futter holen. Diese Bilder werden wir jetzt vermissen. Seinen Humor und seine Aufschneiderei, die allen so gefallen hat, ebenso. Er war immer gut aufgelegt, erzählte gerne alte Geschichten, und war ein umgänglicher Mann. Seine Beliebtheit sah man auch bei der großen Anzahl an Trauernden, die ihm noch die letzte Ehre erwiesen haben.
Mögen ihm seine guten Taten im Himmel belohnt werden. Möge er einen schönen Platz neben seinen alten Freunden haben, damit sie im Schatten wieder Schafkopfen können.
Lieber Hans, wir werden dich vermissen…. Ruhe in Frieden!

Volksschule Pönning 5.-8. Klasse 1948/49 mit Lehrer Rassl

Volksschule Pönning 5.-8. Klasse 1949-1950 mit Lehrer Rassl

Schießl Johann senior mit dem Hans auf dem Weg zur Babl-Mühle in Perkam

Mutter Kreszenz Schiesl mit Hans und Schwester Anna
1. Fußballmannschaft von Oberharthausen (SC Oberharthausen)
von links stehend: Hubert Zellmer, Bergmann Karl, Späth Alfons, Bergmann Josef, Hans Böhm,
Stadler Wick, Thumm Herbert, Lebschie Otto, Fritz Rienmüller, Schiesl Hans
sitzend : Willi Lachenschmidt

Schießl Hans, Bergmann Konrad, Danner Sepp

Anna Schiesl mit Bruder Hans

Johann Schiesl Senior und Hans beim Heufahren

Fahnenweihe in Pönning 1975

Fußballspiel 1983 in Pönning Feuerwehr gegen Landjugend

Hans bei Bauarbeiten im Gemeinschaftshaus

Hans bei Bauarbeiten im Gemeinschaftshaus

Hans beim Bau vom Hochwasserschutz

Hans beim 80. Geburtstag

Bürgermeister Herbert Lichtinger, Ortssprecher Peter Schneck und
Vorstand der KuSK Hans Stierstorfer gratulieren
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die FFW Oberharthausen gratuliert Hans zum 80. Geburtstag

so wie wir Hans kannten, immer gut aufgelegt....