
Bild: Manfred Krischker, Adventszauber Perkam, Homepage Hirschling
Weihnachten 2017 in der Kirche Oberharthausen, Bilder Franz Pömmerl
Zünd a neis Liacht o, gesungen von Haslinger Sepp
GOTT KOMMT IN DIE DUNKELHEIT
(eine wahre Geschichte vom 1. Weltkrieg 1914 in Flandern zu Weihnachten)
In wenigen Tagen feiern wir Weihnachten und dürfen uns wieder neu bewusst werden: Gott schickt in seinem Sohn den Erlöser und begegnet uns als barmherziger Gott, der uns an die Hand nimmt und uns aus der Finsternis herausführt. Menschen, die angstvoll im Dunkeln wohnen, sehnen sich nach einem Licht und Frieden.
Besonders beeindruckend ist folgende Überlieferung einer wahren Begebenheit aus dem 1. Weltkrieg:
Still waren die Nächte nicht im nordwestlichen Flandern im Dezember 1914, und heilig schon gar nicht. Auch unmittelbar vor der ersten Kriegsweihnacht des Ersten Weltkrieges wurde an der Westfront scharf geschossen. Zwar nahmen die Artilleriegefechte bei
Dunkelheit regelmäßig ab, aber Soldaten, die ihre Köpfe über die Ränder der Schützengräben erhoben, liefen Gefahr, von gegnerischen Scharfschützen getötet zu werden.
Zwischen den vordersten Linien der britischen Expeditionsstreitmacht und den deutschen Truppen lagen bei Ypern oft weniger als fünfzig Meter. Man konnte sich über den „Niemandsland“ genannten Streifen zurufen. Auf diese Weise waren gelegentlich kurze Feuerpausen vereinbart worden, in denen beide Seiten ihre Gefallenen und Verwundeten bargen.
Obwohl der 24. Dezember 1914 ein klarer, eiskalter Tag war - also gute Bedingungen herrschten für einen Artillerieangriff auf den Feind, wurde kaum geschossen. Offenbar hatten die Geschützbesatzungen auf beiden Seiten wenig Lust, ihre Aufgabe zu erfüllen. Und da auch der Gegner nicht schoss, ließ man es einfach bleiben.
Am Abend dann schollen von den deutschen Gräben plötzlich ungewohnte Töne hinein ins Niemandsland. Die Männer hatten „Stille Nacht, Heilige Nacht“ angestimmt, traditionell das Weihnachtslied, das ausschließlich am Heiligen Abend gesungen wurde.
Ihre Gräben hatten sie geschmückt mit improvisierten Weihnachtsbäumen; einige mutige Männer trauten sich nach stundenlanger informeller Feuerpause auch, Kerzen an den Rand der Stellungen zu stellen. Die britische Soldaten auf der anderen Seiten hörten und sahen es mit Erstaunen, denn in ihren Augen waren die Männer der kaiserlichen Armee nichts als „Hunnen“.
Der einfache Soldat Albert Moren vom 2. Garderegiment beschrieb, was er etwa 20 Kilometer südlich von Ypern in der vordersten Linie erlebte: „Es war eine schöne Mondnacht, Bodenfrost und alles weiß. Etwa gegen sieben oder acht Uhr abends kam Bewegung auf in den deutschen Gräben, und dann waren da plötzlich diese Lichter – ich wusste nicht, was genau. Und dann sangen sie ,Stille Nacht, Heilige Nacht’. Ich werde es nie vergessen, es war einer der Höhepunkte meines Lebens. Es war wunderbar.“
Die Briten antworteten mit der Weihnachtshymne „O Come, All Ye Faithful“. Die Deutschen stimmten mit dem lateinischen Originaltext „Adeste Fideles” oder der deutschen Version „Nun freut euch, ihr Christen“ ein. „Das ist wirklich ungewöhnlich“, notierte der Schütze Graham Williams von der 5. Londoner Grenadier-Brigade: „Zwei Nationen singen dasselbe Weihnachtslied mitten im Krieg.“
Als es hell am nächsten Morgen wurde, näherten sich vorsichtig einzelne Männer den jeweils gegnerischen Linien – und niemand schoss auf sie. Der Zauber der Friedens auf dem Schlachtfeld hielt. Der 25. Dezember 1914 wurde zum Tag der verbreiteten Verbrüderung zwischen deutschen und zumeist britischen Soldaten. Mehr als 100.000 Männer auf beiden Seiten sollen beteiligt gewesen sein und es gab spontane Weihnachtsgottesdienste.
(Quelle: Glaubensbotschaften)




