Gabi Pömmerl on the road
Ab September war es auch heuer wieder so weit. Riesige Lastwagen fuhren die Zuckerrüben zur Südzucker nach Plattling. Die LMG Gäuboden GbR setzt dazu 9 Lastwagen und 1 Reservefahrzeug „Actros 1840“ mit 400 PS ein. Solche Gefährte machen Eindruck, und bei den engen Feldwegen ist ein großes Geschick und Können der Fahrer notwendig. Diese Trucks beherrschen bis zum Ende der Kampagne am Jahresende die Straßen rund um Plattling. Mit so einem LKW fahren, ja da schlägt doch das Männerherz, da zeigt der Mann wieder stolz im Cockpit wer hier der König der Straße ist, und so manches Mädchen sieht voller Bewunderung zu dem Fahrer hoch, wenn es mit dem Fiat 500 vorbeifährt.
Doch halt, was war denn das eben? Da ist doch ein Mädchen ganz cool in diesem Lastwagen gesessen… das gibt es doch nicht, und bei näherem hinsehen war auf dem Beifahrersitz noch ein Mädchen…. Ja was ist denn da bei der LMG Gäuboden GbR passiert? Fährt doch da tatsächlich ein Mädchen die harte Rübenabfuhr…..?
Ja, genau so ist es, und es handelt sich dabei um die Gabi Pömmerl aus Oberharthausen. Ja wie kommt so ein zierliches Wesen dazu, so einen großen Lastwagen zu fahren? Die Redaktion der Homepage von Oberharthausen befragte die Gabi in einem kleinen Interview, und sie gab uns darauf gerne ihre Antworten.
Gabi, wie kommst du zum Lastwagenfahren?
Da ich beruflich in der Landschaftspflege der Katholischen Jugendfürsorge tätig bin, habe ich mit allerlei landwirtschaftlichen Maschinen Erfahrung. Aber erst richtig wurde das für mich ein Thema, als mich mein Bruder und Vater dazu ermutigten, so wie sie selber, für die LMG Gäuboden mal eine Saison zu fahren. Da es dabei auch gutes Geld zu verdienen gibt, bin ich jetzt schon das zweite Jahr mit dabei. Ich habe mir heuer sogar ein paar Tage Urlaub genommen, um fahren zu können.
Welchen Lastwagen fährst du und wie fühlst du dich dabei?
Wir fahren einen Mercedes Benz Lastwagen, den „Actros 1840“ mit 400 PS. Die LMG hat neun davon im Einsatz und einen als Ersatz. Der Lastwagen hat vollgetankt im Leergewicht 12,8 t und mit Zuckerrüben 40 Tonnen. Das Fahrgefühl mit dem Truck ist einmalig, das ist so ein sau gutes Gefühl mit so viel PS unterwegs zu sein. Man kommt sich oft vor wie die Trucks auf dem Highway der Route 66 in Amerika. Ich möchte das Gefühl nimmer missen, und es ist schade, dass die Abfuhr schon beendet ist. Ich freue mich aber schon sehr auf den Herbst, wenn ich mit dem „Brummi“ wieder die nächste Saison Zuckerrüben fahren darf.
Gibt es besondere Vorschriften die du beachten musst?
Es ist natürlich so, dass man die ganzen Vorgaben und Anforderungen in der Branche wissen muss, z.B. darf man nicht überladen oder man muss die Ruhezeiten einhalten. Vorschrift ist auch, dass man das Industriegebiet Plattling zwischen 22:00 Uhr und 6:00 Uhr früh wegen der Lärmbelästigung umfahren muss. In der Zeit muss über die Autobahn angefahren werden. Die Nachtfahrten sind dann auch eine besondere Herausforderung, genauso wie Nebel, starker Regen oder Glätte. Da muss man hellwach sein, besonders wenn man z.B. die Feldwege nicht kennt.
Woher bekommst du deine Fahreinteilung?
Unser Truck mit der Nr 90 ist das Flaggschiff des Hauses Pömmerl. Mein Vater Franz Pömmerl ist Cheffahrer und Bruder Martin fährt auch mit dem Lastwagen. Insgesamt sind wir 8 Fahrer die sich gegenseitig abwechseln, weil der LKW von Montag bis Samstag Nacht durchfährt. Anfangs haben viele Fahrer noch ihre Kartoffeln zu ernten, und sind deshalb sehr eingespannt. Die Diensteinteilung wird am Sonntag Vormittag mit allen bei uns zu Hause von meinem Vater vorgenommen. Heuer bin ich drei bis viermal die Woche in einer 8-Stundenschicht gefahren, davon 6 Schichten in der Nacht.
Wieviele Frauen fahren noch für Südzucker und wie ist es als Frau in der harten Männerwelt?
Für Südzucker komplett fahren insgesamt 4 Frauen. Die LMG hat momentan 100 Fahrer, dabei bin ich die einzige Frau. Vom Vorstand der LMG Franz Unger werde ich bei den Versammlungen charmanterweise immer als Fahrerin extra begrüßt. Man muss sagen, dass die Kollegen allesamt sehr nett und zuvorkommend sind. Natürlich wird auch mal gescherzt, so wie z.B. wenn ich mit dem Lastwagen komme, meint so mancher: der Lastwagen kommt allein daher. Man gibt mir auch Kosenamen wie "Mausebärle" oder grüßt kurz über Funk beim Vorbeifahren. Besonders nette Kollegen haben mir auch schon die Scheibe vorne gewaschen oder entriegeln mir beim Abladen die Bordwände. Es ist insgesamt eine sehr familiäre Truppe, mit der es sehr gut zu arbeiten ist.
Was hast du für Erlebnisse gehabt, die du in Erinnerung behalten hast?
Letztes Jahr ist mir in Plattling ein Autofahrer in den Aufleger gefahren, weil er die Vorfahrt nicht beachtet hat. Das war für mich sehr schlimm, weil der Mann im Auto eingeklemmt war und vor Schmerzen geschrien hat. Es sprach mich dann ein Mann an, und sagte, dass er so froh sei, dass der Autofahrer mir in den Aufleger gefahren ist. Ich wusste gar nichts drauf zu sagen. Da erklärte er mir, dass er mit einem Kind in der Maxi-Cosi neben meinem Lastwagen im Auto war. Er sagte, wenn ich den nicht aufgehalten hätte, dann wäre sein Baby jetzt tot, weil er ihm schnurgerade reingefahren wäre.
Es gibt auch schöne Erinnerungen. So z.B., als wir heuer mit unserem Einsatzleiter für Rübentransport, Hans Senft, im Christkindlmarkt in Straubing waren. Da blieb kein Auge trocken und wir hatten eine sehr große Gaudi miteinander. Es gibt auch des öfteren lustige Weißwurstessen der Fahrer oder das abschließende Fest „Rübentod“ zum Ende der Saison.
Wer ist deine oftmalige Beifahrerin?
Meine Beifahrerin ist meine Freundin Claudia Aigner. Sie versorgt mich mit Plätzchen, kennt alle Fahrer und ist durch ihren Bruder Hannes, der selber Lastwagen fährt, bestens mit dem Ganzen vertraut. Sie hat noch nicht die Zeit gefunden und ist noch etwas unentschlossen, aber sie möchte auch mal den Führerschein machen, weil sie zu gerne so einen großen Lastwagen oder die Maus fahren würde. Wir haben sehr viel Spaß miteinander und so werden die langen Fahrten zu einem lustigen Ausflug.
Danke Gabi Pömmerl für das Interview. Wir haben großen Respekt vor dem Mut der Gabi, sich in diesem harten Job in der Männerwelt so durchzusetzen. Wir wünschen ihr weiterhin viel Glück und viel Spaß „on the road“…














