Pfarrer Bock

 

Geistliches Doppel

Riedenburg (DK) Pfarrer Edmund Bock findet sich nach rund drei Wochen an seiner neuen Wirkungsstätte bereits gut zurecht. Doch es warten in Riedenburg noch viele Aufgaben auf ihn, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt. Dabei zur Seite steht ihm Pfarrvikar Xavier Raj Chinnappan.

Sein Büro im Obergeschoss des Pfarrhofs ist bereits voll einsatzbereit. In diesem kleinen hellen Raum mit dem großen Schreibtisch in der Mitte und Regalen voller Ordner fühlt sich Edmund Bock schon ziemlich wohl. In den übrigen Räumen hat er sich ebenfalls bereits häuslich eingerichtet und auch von der Umgebung vor der Haustür ist der Geistliche angetan. "Besonders gefällt mir hier in Riedenburg die Landschaft mit den vielen Schlössern und Burgen. Manchmal denke ich, ich bin in der Wachau." Der 52-Jährige lacht. "Ich bin nun gewissermaßen dort tätig, wo andere Urlaub machen." Dass er nach 14 Jahren in einer Pfarrei am Rande des Gäubodens in die Dreiburgenstadt gekommen ist, bezeichnet er als glückliche Fügung.
Aber nicht nur Pfarrer Edmund Bock ist neu in Riedenburg. Auch Xavier Raj Chinnappan hat am 2. September seine Stelle als Pfarrvikar angetreten. Die beiden Geistlichen sind nicht nur für die Seelsorge in der Pfarreiengemeinschaft Riedenburg-Eggersberg-Thann zuständig, sondern künftig auch für die Gläubigen in der Pfarrei Schambach mit der Expositur Prunn. "Es wird eine große Herausforderung werden, diese Pfarreiengemeinschaft sinnvoll zum Laufen zu bringen, ohne dass sich jemand ungerecht behandelt fühlt", führt Bock aus. Sein zentrales Anliegen sei es darum, dafür zu sorgen, dass jede einzelne Ortschaft ihre eigene Identität bewahren könne, ohne in einem Einheitsbrei zu verschwinden. "Darum lade ich die Leute gerne ein, mit mir zusammen diesen Weg zu gehen", betont der neue Stadtpfarrer. "Denn es liegt an uns, nicht nur das gesellschaftliche, sondern vor allem auch das geistliche Leben vor Ort zu gestalten."
Allein ist der Pfarrer ohnehin nicht. Der Pfarrvikar, der ihm an diesem Tag in seinem Büro gegenübersitzt, ist voller Vorfreude auf seine neue Aufgabe. "Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen", sagt Chinnappan. Der 39-Jährige kommt aus Tamil Nadu, dem südlichsten Bundesstaat Indiens. Seit er dort im Jahr 2000 in das Priesterseminar eingetreten ist, habe er sich gewünscht, irgendwann einmal in Deutschland arbeiten zu dürfen. "Der Rektor des Seminars hat selbst in Würzburg studiert", begründet er. 2007 hat Chinnappan die Priesterweihe empfangen, war zwei Jahre als Kaplan und fünf Jahre als Pfarrer in Indien tätig und kam dann nach Österreich. "Ich war dort als Aushilfskaplan in einer Wiener Pfarrei eingesetzt. Riedenburg ist nun der nächste Schritt", erklärt er. Was ihm hier besonders gefalle? "Die schöne Landschaft und die Freundlichkeit der Leute", antwortet der Geistliche. "Die Stadt ist so grün. Zu meinen Eltern habe ich am Telefon gesagt: ,Ich bin hier zwischen den Bergen'."
Gefragt nach seinem Werdegang fasst sich Bock kurz. Geboren 1964 im niederbayerischen Ergoldsbach, sei er nach verschiedenen Schularten und dem Studium 1994 zum Priester geweiht worden. Es folgten Stellen als Kaplan, als Administrator und schließlich als Pfarrer in Perkam, bevor nun der Wechsel nach Riedenburg anstand. "Ich bringe meine Erfahrung mit, Offenheit und Wohlwollen", so Bock. Dass er sich hier wohlfühle, sei dabei schon die halbe Miete. Wenn die Menschen nun noch mitarbeiten, könne man zusammen erreichen, die christliche Tradition in einer der Kirche entsprechenden, aber zeitgemäßen Interpretation zu leben. Ein Heilsbringer sei er dabei allerdings nicht. "Ich will das Rad nicht neu erfinden, sondern sehe mich als Wegbegeleiter der Pfarreiengemeinschaft."
Die in ihn gesetzten Erwartungen möchte Pfarrer Edmund Bock mithilfe der Pfarrangehörigen erfüllen. "Jeder kann sich gemäß seinen Lebensumständen und Fähigkeiten mit einbringen", ermutigt er die Gläubigen. Die Arbeit eines Priester umfasst zwar auch Verwaltungsaufgaben - "Das ist quasi Management", sagt der 52-Jährige -, erfolgsorientiert sei sie aber nicht. "Was ich damit meine ist, dass eine Gemeinde keine Schulklasse ist, sondern das Wirken eines Geistlichen vielleicht erst nach Jahren Wirkung bei den Menschen zeigt, wenn sie sich zum Beispiel daran erinnern, dass der Pfarrer ihnen etwas Sinnhaftes nahegebracht hat." So ähnlich sieht das auch Pfarrvikar Chinnappan. Denn obwohl er als Priester am Altar steht, ist sein Ziel, mit den Leuten zu lernen. "Ich möchte gerne so arbeiten, dass die Menschen gerne in die Kirche kommen", betont er.

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