Zum Gedenken an den 75. Jahrestag der Bombardierung von Oberharthausen am 5.2.1945

bomber ueber niederbayern w

 

Die ganze Woche hat es gestürmt und geregnet. Heute ist ein milder Wintertag. Es ist der 5. Februar. Es hat heuer noch keinen Schnee. Das Dorf liegt friedlich da, die Leute gehen zur Arbeit. Es gibt keine Hektik im Dorf, im Gegenteil. Ein Mann liest am Thermometer 5 Grad plus ab. Ein Nachbar kommt dazu. Man redet übers Regenwetter und erzählt, dass es bei einem Bauern die Dachziegel vom Stadel gerissen hat. Der Regen schadet nicht meint einer, es ist ja letztes Jahr viel zu trocken gewesen. Die Kirchenglocke läutet zu Mittag, die Männer nehmen den Hut vom Kopf und beten still. Es ist ein friedlicher, sorgloser Tag wie jeder andere. Ein Mann sagt dann zum anderen, gestern sind nur Ziegel vom Dach gefallen, aber weißt du es noch, heute war es, vor 75 Jahren... ja sagt der andere, ich weiß es noch wie sie bombardierten, wir waren damals noch so  junge „Gamsn“. Sie erzählen die Geschichte….

…..heute vor 75 Jahren war auch der 5.Februar, der 5. Februar 1945. Die Männer (Gefangene)  waren beim Schnee Schaufeln in der Straubinger Straße zum Ringenberg. Es war ein wolkenverhangener Wintertag. Um die Mittagszeit waren sie dann zu hören, die Geräusche, die alle so fürchteten. Es kamen wieder Bomber vom Süden herangeflogen. Es wurde schon öfters Bombenalarm gegeben, aber heute war es anders. Die Leute im Dorf liefen in die Häuser oder Ställe und versteckten sich. Sie rannten um ihr Leben.  

Es war Mittagszeit, die Bauern ließen gerade ihre Tiere auf die Straße, damit sie der Hüter auf seinem Viehtrieb mitnehmen konnte. Schulkinder gingen nach Hause, weil die Volksschule in Pönning mittags zu Ende war. Auf einmal der Bombenalarm. Schon von Weitem hörte man das Brummen, das bis ins Mark traf. Zittern, Furcht, Angst und Hoffen dass die Bomber vorüberflogen. Heute nicht, nein als die Bomber näher kamen, luden sie diesesmal einen Teil ihrer Fracht aus. Später heißt es von den US-Piloten, sie haben sich vertan, weil in 7km Höhe keine Sicht war und der Abwurf auf Oberharthausen war nicht beabsichtigt. Sie wollten nach Regensburg und den Ölhafen bombardieren, aber sie kamen zu uns. Sie brachten den Krieg und den Tod nach Oberharthausen.

 

Karte von mission 168 homepage

Originalkarte der Amerikaner für den Bomberflug; aus Italien (unten) kommend 
bis zum Initialpunkt Straubing mit Ziel Regensburg; Oberharthausen liegt auf der Route;

durch schlechte Sicht wurden Initialpunkt und Zielpunkt verwechselt und Bomben

über Oberharthausen abgeschüttet. Eine späte Entschuldigung, auch eine Erklärung,

liefert der Sohn eines hohen Stabsoffiziers jener Geschwader in einer E-Mail an Heinrich Sax:

"I am extremely sorry that Oberharthausen was hit. It was not an intentional thing.

(Es tut mir leid dass Oberharthausen getroffen wurde, es war keine Absicht!)

 

 

Diese Computersimulation (erstellt von Robert Schrock) zeigt Oberharthausen im April 1945 nach der Bombardierung. Die Karten sind Originale von Luftaufnahmen der Amerikaner (http://www.luftbilddatenbank.de/).
(Zum Abspielen bitte auf das Video klicken!)

 

 

bombeneinschlaege oberharthausen

                                               An die 70  Bombeneinschläge im Dorf Oberharthausen und in umgebende Felder.

 

Das Ergebnis ist uns allen wohl bekannt. Drei Menschen fanden den Tod, manche wurden veschüttet. Andere überlebten wie durch ein Wunder, weil sie sich einen Platz gesucht haben, der nicht getroffen wurde. Herr Michael Gürster, seine Tochter Ottilie und der kleine Schulbub Luwig Aigner fanden den Tod. In den eingestürzten Häusern wurde gegraben, Hans Schießl konnte aus den Trümmern gerettet werden. Furchtbare traurige Szenen, spielten sich am Gürsterhof ab, aber auch Freude, dass Walburga und Maria Gürster überlebt hatten.  Oberharthausen hat seinen schwärzesten Tag erlebt.

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                                      Bomben auf Gürsterhof                                                   Bomben auf Gürsterhof
   
     P1290517     P1290524
    Das Lob Gottes im Schulranzen rettete Stadler Wick
     das Leben
             Das Lob Gottes hielt den Granatsplitter auf
   
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    Michael Gürster, 62 Jahre       Ottilie Gürster,  22 Jahre         Ludwig Aigner, 12 Jahre               Todesanzeige

 

Am Kriegerdenkmal sind noch ihre Namen eingemeißelt. Die Namen der drei unschuldigen Oberharthausener die gerade am falschen Platz waren, als bombardiert wurde. Sie und die gefallenen Soldaten aus dem Dorf sind die Opfer, die das Dorf in diesem unsäglichen Krieg bringen musste. Ihre Namen sind Verpflichtung an uns alle, mitzuwirken, dass so etwas nie mehr geschehen darf.

 

krieger

Einer der Männer zitiert den Mayer Xare: „Es gibt nichts grausameres als einen Krieg“ hat er immer gesagt, als er in jungen Jahren noch einrücken musste.

Die beiden Männer gehen zum Mittagessen heim. Es ist der 5. Februar 2020. Ein milder Wintertag, aber ruhig und friedlich….

Es ist Friede im Dorf, in Bayern und im ganzen Land. Was für ein Glück haben wir. Was für ein Segen sind die 75 Jahre für die Menschen gewesen. Aufstehen, keine Angst haben, keine Bomber die kommen, kein Verstecken, nicht um sein Leben rennen, keine Menschen die im Krieg sterben…. Was haben die Menschen damals mitmachen müssen, und wie leicht ist alles für uns ..... Wir müssen dankbar sein, ja dankbar....